Tag 6: 20.07.2005 (98 km): vom Traumstrand zur Zeckenwiese

der Strand bei Ross Carberry

Ich wachte heute 7:15 Uhr auf. Draußen war herrliches Wetter un d fast keine Wolke am Himmel. Ich machte ein paar Fotos und erkundete die Umgebung. Dann schrieb ich Tagebuch und frühstückte mit Robert. Die Sonne brannte ordentlich runter und bereits 10 Uhr kamen die ersten Badegäste an unseren Strand.

Wegen des schönen Wetters blieben wir noch etwas in der Sonne liegen und kamen erst 11:40 Uhr weg. Sand hatte sich auf die Kette von Robert gelegt, sodass er noch einmal nachölte. Ansonsten hatten wir zum Glück bisher keine technischen Probleme. Aus der Bucht heraus, begrüßte uns auch gleich wieder Gegenwind. Wir fuhren erneut durch Ross Carberry, bogen allerdings am zweiten Abzweig links ab, um dem Verkehr der roten „71“ zu entgehen. Laut Karte fuhren wir auf einer sehenswerten und verkehrsarmen Straße (597), die zudem noch eine Abkürzung zur Hauptverkehrsstraße ist. Bis auf ein paar knackige Anstiege und den Wind machte es richtig Spaß. Die Sonne schien von einem azurblauen Himmel und wir hatten 24°C. Am höchsten Hügel (60 m) wartete ich 90 Sekunden auf Robert. Wir fanden heute ein angenehmes Tempo - ohne uns zu sehr verausgaben zu müssen. Es ging weiter bis nach Glandmore. Das Örtchen war sehr schön und besaß noch einen kleinen Jachthafen. Nach elf weiteren Kilometern Überlandsfahrt erreichten wir Skibbereen. Hier war zugleich der südlichste Punkt unserer Tour erreicht. Im Ort quälten sich die Autos durch die engen Gassen, denn gerade hier war das Nadelöhr zweier wichtiger Verkehrsstraßen. Allgemein sind die Straßen in Irland zu klein für den stark gestiegenen Verkehr der letzten Jahre. Wir schlängelten uns an den stehenden Autos vorbei und fuhren dann auf der roten „71“ nach Ballydehob. Hier war ausnahmsweise ein ausreichend großer Seitenstreifen, sodass wir zügig und sicher vorankamen

Robert beim Frühstück am Strand
Frühstück mit den O`Conners
unser Zelt im Garten der O`Conners
erster steiler Anstieg auf der 597
Guinness time in Ballydehob

lachender zweiter mit 60 sekunden Rückstand

Schon bald zeigten sich uns die ersten Berge mit deren höchsten Erhebung von 302 Metern. Nach 40 Kilometern hatten wir Ballydehob erreicht. Es war 15 Uhr und Zeit zum Mittagessen. Wir rollten zu einem Park und machten an der „Roadringwater Bay“ rast. Es gab Baguette mit Fisch aus der Büchse (Tomate/Dill). Am Ende fütterte Robert noch die Schwäne mit unseren angeschimmelten Toastscheiben. Wir trafen noch ein Ehepaar aus Deutschland, was seit über zehn Jahren in Irland wohnt. Sie gaben uns noch einen Insidertipp „nicht den Ring of Kerry zu fahren – zu viele Touris – sondern den wenig erschlossenen Ring of Beara“; eine Halbinsel im Westen der Insel. Wir waren uns noch nicht schlüssig, ob wir auch den Ring of Beara fahren werden den der Umweg hätte uns einen weiteren Tourtag gekostet. Die Entscheidung mussten wir allerdings erst in 31 Kilometern treffen. Es blieben also noch gute zwei Stunden Zeit zum Überlegen.


Mittagspause 15 Uhr
Roberts Baguette
Robert verschenkt sein angeschimmeltes Toastbrot
... und die Enten freuen sich

Nach einem kurzen Sprühregen erreichten wir 16:30 Uhr die E71, aber sie war bei weitem nicht mehr so stark befahren wie an der Ostküste. Der Wind, der uns schon den ganzen Tag etwas genervt hatte, legte sich zum Glück am Nachmittag. Es folgte nun auch die erste kleine Bergwertung hoch auf 197 Meter. Bei dem Anstieg nahm ich Robert mehr als drei Minuten ab. Ich ließ es bei der Abfahrt mit Windjacke (immerhin 160 Höhenmeter) etwas ruhiger angehen und Robert schloss wieder auf. Robert schaffte auch einen neuen Tagestopspeed von 55 km/h. Vor uns lagen nun die mehr als 500 Meter hohen Erhebungen der Shenny-Mountains, in denen es zu regnen schien. Größere Gehöfte lagen verstreut am Straßenrand. Kühe und Schafe rundeten die bäuerliche Idylle ab.

gut gelaunt trotz Sprühregen und Anstiegen

Wir fuhren über Ballylickey nach Glengaritt. Dies war ein Touristenort und wir holten uns für 15 Euro Abendbrot und Briefmarken für unsere Postkarten. Heute ist bereits der sechste Tag und ich werde wohl langsam mit dem Schreiben beginnen. Als ich einkaufen war quatschte Robert mit einem Belgier, der zwar auch mit dem Rad unterwegs ist, aber immer im B&B übernachtet. Im Ort war auch der Abzweig zum Ring of Beara und wir folgten dem Ratschlag des deutschen Paares und fuhren zur Beara-Halbinsel. Und wir sollten nicht enttäuscht werden. Fernab jeglicher Autos fuhren wir durch eine atemberaubende Landschaft, geformt allein durch die Kräfte der Natur. Kleinere Seen und viele Hügel prägten das Landschaftsbild. Zu unserer linken waren die vielen kleinen Buchten und im Licht der untergehenden Sonne erschien alles in einem wunderbar angenehmen Licht. Mit 20°C (20:30 Uhr) war es auch noch sehr mild. Erst nach 13 Kilometern kam das erste Örtchen. Trafrask lag am Meer. Wir fuhren auf einem Feldweg zur Promenade.











in Glengaritt gibts Postkarten und einen Supermarkt

traumhafte Anstiege auf dem Ring of Beara

... und fast ohne Verkehr



wir bringen unsere Sachen auf die Zecken verseuchte Wiese

Es gab leider keinen Strand, nur viele abgezäunte Wiesen. Ich fand auf einer Wiese eine flache Stelle zum Campen. Wir mussten das Gepäck abbauen, denn die Wiese war mit einem verrosteten Stacheldraht abgesperrt. Nachdem wir unsere Gepäck hinter einem Felsen verstaut hatten, setzten wir uns auf unsere Isomatte und packten unser Essen aus. Endlich hatten wir vor der Dämmerung eine Zeltstelle gefunden. Wir saßen so auf der Isomatte und schauten aufs Meer, bis meine Beine juckten. Ich schaute genauer hin und was sah ich ... eine Zecke. „Na prima“, dachte ich mir. Zum Glück hatte sie sich noch nicht fest gebissen. Als ich sie entfernte, sah ich noch eine zweite, dritte, am Ende waren es 20! Ich lief wie von der Tarantel gestochen (ein Moment, der Robert noch ein halbes Jahr später in Erinnerung blieb) zu meinen Sachen und wuchtete alles so schnell wie möglich von der Wiese. Robert beeilte sich nicht ganz so sehr, denn er hatte noch keine Zecken bei sich gefunden. Wahrscheinlich fühlten sich die Zecken auf dieser Wiese so wohl, weil früher Kühe auf ihr geweidet hatten. Dummerweise waren alle uns umgebenden Wiesen ehemalige Kuhweiden, sodass uns nichts anderes übrig blieb, als zurück zur Straße zu fahren. Mittlerweile war es dämmrig und Robert schaltete seine Fahrradlampe ein. Wir hatten jetzt nur noch die Wahl bei jemanden im Garten oder ein B&B. Für die Hygiene wäre ein B&B auch wieder ganz gut gewesen. Wir fuhren zwei Kilometer, ohne die Aussicht auf eine Übernachtungsstelle. Der erste Passant, den wir sahen, war eine Frau, die von der Dorfschenke zur Kirche lief. Sie meinte, „das in einer Meile ein Zeltplatz kommt.“ Mittlerweile war es richtig dunkel und wir waren heilfroh, den Zeltplatz nach einer Kurve zu sehen. Er war gut besucht, aber großzügig angelegt, sodass wir keine Probleme hatten, eine schöne Stelle zu finden. Zum Abendbrot setzten wir uns an einen Tisch auf der Campingwiese. Wenig später packten wir aber alles zusammen, denn eine Schar von Mücken fiel über uns her. Da half selbst das Mückenspray vom Polarkreistrip nichts. Genervt gingen wir zurück zum Zelt, konnten aber zum Glück zum ersten Mal seit fünf Tagen wieder duschen. Nach knapp 100 erlebnisreichen Kilometern lagen wir dann 23:45 Uhr im Zelt und schliefen sehr schnell ein.

Blick auf die irische See am Abend

Statistik zum 06ten Tag

leicht bewölkt war es
+ Wind
Vormittag
leicht bewölkt war es

Nachmittag

Tageskilometer
97,55 km
Gesamtkilometer
585,81 km
Höhenmeter (gesamt)
871 (3978)
höchste Erhebung
197 Meter
Durchschnittsgeschwindigkeit
17,69 km/h
reine Fahrzeit
5:30:45 h
Start
11:40 Uhr
Ziel
21:00 Uhr
TopSpeed
55,4 km/h
Temperatur
19 - 25°C
Übernachtung
am Strand bei Ross Carberry
Übernachtungshöhe
30 m über NN
Stärkungen (Conrad)
3 Snickers
1 Dextro
Trinken (Conrad)

1,0 Liter Wasser
1,0 Liter Saft
1,0 Liter Tonic
1,3 Liter Cola
Ausgaben
22,00 Euro für Postkarten und Einkauf

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