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Tag 14: 23.09.2005 (87 km): Wind und Regen treiben mich zum Meer
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Heute hatte ich den Wecker auf 8 Uhr gestellt. Ich packte mein Zeug zusammen und kurz bevor ich starten wollte, setzte 9:30 Uhr Regen ein. 9:40 Uhr war alles auf meinem Rad verstaut und ich konnte los fahren. Glücklicherweise hörte der Regen recht schnell wieder auf und ich fand den Weg aus der Stadt, aufgrund der sehr guten Ausschilderung, problemlos. Ich fuhr auf der „7“, die leider sehr stark befahren war und teilweise keinen Randstreifen hatte. Meine Konzentration war noch einmal gefragt als es dann auf der achtspurigen „25“ durch einen Tunnel ging. Er war zwar nur 200 Meter lang aber der Lärm und die Enge auf meinen Randstreifen, ließen mir die Fahrt ewig vorkommen. Einmal mehr bestätigt sich meine Abneigung gegen Tunnel und ich kann sie zu den mit Abstand schlimmsten Streckenabschnitten auf jeder Tour zählen. Auf der anderen Seite des Tunnels sah ich bereits die Randbezirke von Pohang. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, die Stadt weiträumig zu umfahren, aber nun musste ich mittendurch.




Mein Ziel war die „Küstenstraße 20“. Ich folgte den Ausschilderungen, entschied mich auch in Zweifelsfällen richtig und erreichte den Hafen, wo auch die „20“ begann. Hier gab es auch einen Strand, der mich irgendwie an den Ballermann auf Mallorca erinnerte. Er war umgeben von Hochhäusern (nur sind es in Pohang Wohnhäuser und keine Hotels) und war ebenso dreckig. Ich sah einige Spaziergänger aber keine Schwimmer. Ich ließ noch ein Bild von mir und meinem Fahrrad am koreanischen Strand machen (leider war die Aufnahme nicht gelungen). „Mein Fotograf“ hatte Englisch auf der Uni gelernt und so konnten wir uns recht flüssig unterhalten. Er schüttelte nur seinen Kopf als ich ihm von meiner Tour berichtete. Er gab mir noch den Rat, immer vorsichtig zu sein und aufzupassen. Nach Smalltalk radelte ich am Meer entlang und machte kurz nach 13 Uhr bei Kilometer 40 an einem Rastplatz Mittagspause. Dort aß ich den leckeren Pflaumenmus meiner Gastgeber vom Vortag auf. Für die Pausen sind die kalorienreichen Nahrungsmittel genau das Richtige. Leider (zumindest in diesem Fall) ist die koreanische Küche sehr leicht und mir fehlt der Energieschub.

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traumhafte Aussichten für den Hochhausbau
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die Realität sieht leider etwas anders aus
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Zum Glück waren heute nur 20°C, sodass ich nicht ganz so sehr ins Schwitzen kam. Es war nun langsam Zeit, sich über das Ziel meiner Tour Gedanken zu machen. Mir war klar, dass ich keine komplette Runde durch Korea schaffen würde, denn dafür müsste ich noch über die Berge, welche die West- und Ostküste trennen, fahren. Ich entschied mich dafür, immer weiter nach Norden an der Ostküste zu radeln und dann mit dem Bus oder Zug zurück nach Seoul zu fahren. Als Ziel kamen vier größere Städte in Frage. Sie alle befanden sich in 180 bis 250 Kilometer Entfernung und sollten in den nächsten 2 Tagen locker zu schaffen sein. Als ich meine Karte studierte, setzte auch noch Regen ein. Zudem hatte ich bemerkt, dass ich mich fünf Kilometer verfahren hatte. Nachdem ich kurz nachgefragt hatte, den richtigen Weg kannte, der Schauer vorüber war, wurde meine Laune schon wesentlich besser. Über welliges Terrain hatte man vereinzelte Ausblicke auf das unruhige Meer und die dunkeln Wolken am Horizont, die erneuten Niederschlag versprachen. Wenige Minuten später war es soweit und es regnete so stark, dass ich mich zuerst in einem Bushäuschen und später in der Garage eines Hotels unterstellen musste. Aufgrund der andauernden Unterbrechungen schaffte ich am Ende des Tages auch nur knapp 90 Kilometer.

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ein Veteranentreffen (oben) und meine getrockneten Tintenfische verkürzen mir die Wartezeit wegen des Regens
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Mit moderaten Tempo fuhr ich auf kleineren Straßen nach Norden, bis es nicht mehr ging und ich wieder zurück auf die „7“ fahren musste. Leider regnete es erneut heftig, sodass mir nichts anderes übrig blieb, als mich erneut unterzustellen. An einem Imbiss holte ich mir zwei Kaffee und getrocknete Tintenfische (2,80 Euro), die wie Leder schmeckten. Auf der zähen Masse rum kauend, beobachte ich den Regen und eine Reisegruppe von Kriegsveteranen (vermutlich aus dem Koreakrieg), welche mit ihren Uniformen auch im hohen Alter ein respekteinflössendes Auftreten hatten. Einen von ihnen konnte ich sogar problemlos fotografieren. Zwei ältere Damen wollten auch noch ein Bild von sich, mit der Bitte ihnen dieses zuzuschicken. Leider konnte ich ihre Handschrift nicht lesen, bedankte mich aber für ihre guten Wünsche auf den letzten Etappen. Es war nun 16:15 Uhr und in einer Stunde würde es bei diesem Wetter dunkel sein. Ich entschied mich, trotz des Regens weiter zu fahren. Nach zehn Minuten waren meine Schuhe komplett nass, aber zum Glück blieb ich oben noch trocken. Ein Vorteil meiner Route am Meer war die hohe Konzentration an Minbacks und Hotels. Leider hatten sie alle angezogene Preise und selbst verhandeln war nur minimal möglich. Bei einem Minback hatte ich bereits das halbe Gepäck im Zimmer, aber die Besitzerin wollte einfach nicht von ihren kleinem 20.000 Won (18 Euro) Zimmer mit Meerblick runter gehen, sodass ich genervt weiter fahren musste. Kurz vor Sonnenuntergang sah ich am Wegesrand noch eine Seltenheit: eine Parkanlage. Der Regen hatte aufgehört und eigentlich sprach nichts dagegen, das Zelt auf dem Areal aufzubauen. Leute sah ich keine und so wartete ich noch die Dämmerung ab und machte mich dann ans Aufbauen. Ab und zu hörte ich Autos, aber keiner schien Notiz von mir zu nehmen, sodass ich es mir im Schlafsack gemütlich machen konnte.


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Statistik zum 14ten Tag
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Vormittag
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Nachmittag
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Tageskilometer
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87,13 km
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Gesamtkilometer
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1397,40 km
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Höhenmeter (Gesamt)
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421 m (9077 m) |
maximale Höhe
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47 Meter |
Durchschnittsgeschwindigkeit
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17,4 km/h |
reine Fahrzeit
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5:00:04 h
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Start
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09:50 Uhr
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Ziel
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18:00 Uhr |
TopSpeed
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42,2 km/h
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Temperatur
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18 - 22°C |
Übernachtung
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auf einer Wiese an der See von Japan bei Kanggu
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Übernachtungshöhe
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26 m über NN |
Trinken
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2,0 Liter Wasser
1,0 Liter Cola
0,5 Liter Kaffee
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Ausgaben
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3 Euro für Kekse
2 Euro Tintenfisch
1 Euro Kaffee |
Tag 13 / Tag 15
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